Vor paar Jahren hatten die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und das Russische Haus eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit geschlossen. Was hat sich danach geändert?
Im Jahr 2017 ist die Vereinbarung über die Zusammenarbeit unterzeichnet worden. Schon vorher gab es enge und vielfältige Kontakte zwischen beiden Einrichtungen. Diese wurden durch die Unterschriften noch gefestigt und auf eine offizielle Ebene gehoben. So unterstützt die SenBildJugFam die Durchführung der Woche der russischen Sprache, indem ein/e Vertreter/in der Verwaltung eine Rede auf der Eröffnungsveranstaltung hält, das Buffet für alle Referent/innen und Verlagsmitarbeiter/innen organisiert und die Woche als Fortbildungsmaßnahme für Russischlehrer/innen anerkennt.
Weiterhin sitzt ein/e Mitarbeiter/in der SenBildJugFam in der Auswahljury für ein Studium an einer russischen Universität.
Die Senatsverwaltung ist bei der Bekanntmachung der vielfältigen Angebote des Russischen Hauses beteiligt, indem sie Anzeigen und Informationen im landesweiten Newsletter veröffentlicht und Schulen mit Russischunterricht direkt anschreibt.
Dank gemeinsamen Bemühungen wurde die Woche der Russischen Sprache zu einem festen Bestandteil im Kalender der Russisten, nicht nur aus Berlin, bzw. Deutschland, sondern auch aus anderen Ländern.
Das ist in der Tat so. Diese Woche ist eine der Fortbildungsveranstaltungen für Russischlehrer/innen in Berlin und auch in anderen Bundesländern. Sie bietet die Gelegenheit, neue Tendenzen in der russischen Sprache und Literatur kennenzulernen und sich mit anderen Kolleg/innen auszutauschen. Für mich ist diese Woche immer eine Möglichkeit, lebendiges, korrektes Russisch zu hören und meinen Wissensspeicher aufzufüllen.
Wieso, Ihrer Meinung nach, wird Russisch öfter als Fremdsprache bei den Schülern und Studenten ausgewählt?
Es leben viele Herkunftssprachler/innen in Berlin und diese möchten, dass auch ihre Kinder ihre Mutter- oder Vatersprache sprechen, schreiben, lesen, verstehen. Außerdem ist Russisch eine sehr schöne Sprache, mit wundervollen literarischen Werken, die außerordentlich interessante Autoren geschrieben haben. Das reizt viele dazu, die russische Sprache zu erlernen. Es gibt historisch gesehen viele Verbindungen zwischen Russland und Deutschland. Aber auch wir Russischlehrer/innen geben uns große Mühe, möglichst viele Schüler/innen für unsere Lieblingssprache zu begeistern. Dabei helfen uns natürlich auch die vielfältigen Angebote, die das Russische Haus macht.
In Berlin gibt es auch ein Projekt „Staatliche Europa-Schule Berlin“.
Die Staatliche Europa-Schule Berlin ist kein Projekt mehr. Sie ist offizieller Bestandteil der Berliner Schullandschaft und aus ihr nicht mehr wegzudenken. In diesen Schulen lernen Kinder Deutsch und eine weitere Fremdsprache (Englisch, Französisch, Russisch, Portugiesisch, Spanisch, Polnisch, Türkisch, Griechisch, Italienisch) ab der ersten Klasse, indem sie diese Sprachen als Mutter- und Partnersprache in jeweils der Hälfte der Fächer benutzen. Sie werden also von der 1. Klasse an bilingual gebildet. Das fördert natürlich zum einen die Integration, aber auch die Toleranz. Diese Schulen spiegeln die Multikulturalität von Berlin.
Warum ist es dem Senat wichtig, dass Kinder auch in ihrer Muttersprache unterrichten werden?
Es ist außerordentlich wichtig, dass Kinder die Sprache ihrer Eltern und Großeltern sprechen, um zu wissen, wo ihre Wurzeln sind. Nur wenn ich mich mit allen meinen Seiten kenne und diese akzeptiere, kann ich andere so akzeptieren, wie sie sind. Es hilft, bei der gegenseitigen Verständigung. Kinder, die ihre eigene Muttersprache aktiv benutzen, sowohl mündlich als auch schriftlich, können die deutsche Sprache besser erlernen und auch das Erlernen weiterer Fremdsprachen fällt ihnen leichter. Multilingualität ist in unserer heutigen Welt wichtiger denn je.
Was würden Sie sich wünschen, was könnte man mehr machen um Russisch zu popularisieren?
Das Russische Haus macht sehr viel für die Popularisierung der russischen Sprache. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass man noch mehr machen kann. Die Mitarbeiter/innen des Russischen Hauses arbeiten eng mit den verschiedenen Organisationen und Verwaltungen zusammen. Ich würde mir wünschen, dass die offizielle Politik sich wieder annähert und unsere beiden Länder wieder näher zusammenrücken. An der Wärme und Herzlichkeit der zwischenmenschlichen Begegnungen mangelt es jedenfalls nicht. Jetzt muss die Politik endlich die Situation deeskalieren.
Interview führte Yury Kolesnichenko